Zack, hier bin ich wieder. Gelandet zurück im sauberen Deutschland. Mit Fieber und Rückenschmerzen. Verdacht auf Malaria. Ich hab gedacht, dass man im Flieger immer desinfiziert wird. Hat bei mir wahrscheinlich nicht geklappt. Finde ich eigentlich ganz gut. Also lag ich eine Woche krank mit 39 Grad Körpertemperatur in meinem Bett zu Hause! Z U H A U S E. Ohne Malaria – zur Beruhigung -. Endlich wieder im eigenen Nest, aber krank? So, habe ich mir das nicht vorgestellt. Was wollte der liebe Gott mir sagen – oder Darwin – ? War es ein Fehler nach Hause zu kommen? Habe ich was verpasst? Habe ich es nicht genug genossen?
Knapp vier Monate ist es jetzt her, dass ich in Deutschland wieder angekommen bin. Und bist du angekommen, Joana? Ich weiß es um ehrlich zu sein nicht. Irgendwie ging alles so schnell. Ich war sofort wieder drin. Alles war so wie ich es verlassen habe (will übrigens kein Reisender hören, wenn er noch unterwegs ist. ist aber so. sorry). Wie kommt man denn an? Ich hatte oft das Gefühl, dass ich ja am Ende meiner Reise wie angekommen sein müsste und mit meinem flow eins sein müsste.
Joana ist die Ruhe in Person. Macht nichts mehr falsch, ist immer super organisiert, meckert nie wieder rum. Die Zufriedenheit hat sozusagen einen Platz gefunden. In mir. Pah! Denkste. Ich bin ja dann auch drauf gekommen (vgl. Neuseeland – 360 Grad). Du hast ein Bild von dir wie du sein willst? Ein weit entferntes Ziel? Und jetzt stellt euch mal vor, ihr habt dieses Ziel erreicht? Ihr könntet euch jetzt in eurem Stuhl zurücklehnen und sagen: „Ich habe geschafft, was ich mir vorgenommen habe. Ich bin zufrieden.“ Buddha kann das mit Sicherheit in Exzellenz. Aber wir Normalos? (Halt, Stopp. Niemals unter Wert verkaufen. Wir sind ja die privilegierte Menschheit.) Also, wir anderen bezaubernden Individuen?
Meine Feststellung war ja folgende (die nicht SOFORT nachgelesen haben in meinem letzten Beitrag. Schande über euch!):
„Die Headline meines Blogs heißt: „auf der Suche nach dem flow“ und wie lautet das Sprichwort: wer suchet, der findet. Ich glaube in meinem Fall trifft das nicht ganz zu, weil wer auf der Suche war oder ist und was gefunden hat, ist auch irgendwie am Ende angelangt, oder? Hat sein Ziel sozusagen erreicht. Aber was bedeutet das schon? Ich formuliere meinen flow, bewusst als flow. Für mich ist es etwas was fließt und sich immer verändern, beginnen und enden darf. Alle Möglichkeiten sind offen. Wir schränken uns oft viel zu sehr ein! Jeder sollte für sich jeden Tag neu entscheiden dürfen wer er sein will und was er will. Und das gilt nicht nur für die Menschen in meinem Alter!
Raus da, zeigt euch der Welt!“
Bravo, Joana! Da hatte ich, aber mal einen besonders hellen Moment erwischt. Klingt ja so, als ob ich wüsste wie der Hase läuft. Aber zwischen wissen und machen ist schon noch irgendwie ein Unterschied. Also an der Umsetzung harkts. Ich musste feststellen, dass der flow zwar fließt aber meine Motivation und Laune erhebliche Auswirkungen darauf haben, ob ich morgens aufstehe und mir auf gut Deutsch die Sonne ausm Arsch scheint und ich genau weiß was ich will, oder ob ich einfach daliege und mich frage, welchen genauen Grund es jetzt eigentlich nochmal gibt, dass ICH mich aus meinem Bett quäle. „Raus da, zeigt euch der Welt!“ Pustekuchen, Joana.
Also, was ich sagen möchte – ja, ich gebe meinen Senf zu dieser ganzen Zufriedenheits-, Glückskacke (ihr merkt es schon, mich nervt das Thema) jetzt auch noch hinzu – :
Ich hab kein Bock mehr darauf, dass ich mich total gestresst, überfordert und unter Druck gesetzt fühle, wenn ich einmal durch die Stadt laufe und von überall lachen mich Zeitschriften und Dekoschilder an mit: „Achtsamkeit – wie du noch besser den Moment genießen kannst.“ oder „Live your life!“, „Genieße dein Leben. Sei im Hier und Jetzt.“ Ich kotze im Strahl. Und zum Abschluss laufe ich noch an einer überdimensionalen glitzernden Buddha-Dekofigur vorbei. Jetzt habe ich definitiv einen schweren Magen-Darm Infekt.
Eine mögliche Variante wäre, mich jetzt in meine Wohnung verbarrikadieren und nie wieder raus zu kommen. Aber dafür bin ich irgendwie nicht so der Typ.
Also übe ich mich in Annahme. Schlechte Laune, okay. Gute Laune, okay. Eine Zeitschrift mit dem Titel: „Mehr Freiheit, weniger Stress – wie schaffst du es auch“. Wenn ich gut drauf, nur noch ein leises Magengrummeln und bei schlechter Laune, danach richtig richtig schlecht. Ich könnte mir aus Protest ja auch einfach eine Zeitschrift über Modellflugzeuge kaufen. Oder auch nicht. Lieber ein Eis. Vielleicht hebt das ja die Laune.
Kümmert euch so gut es geht einfach um euer Wohlbefinden. Und wenn gar nichts mehr geht: Überlegt euch, wenn ihr gute Laune habt, wen ihr bestellen könntet im Notfall, der euch so einen richtigen Arschtritt verpassen könnte. Euer Gehirn wird es euch auf jeden Fall danken, endlich mal wieder ein bisschen Action in der Bude. Und wenn die gute Laune lange fern bleibt, ist ein unangekündigter Popohoppsa bestimmt auch unterhaltsam.
Jetzt trinkt euch einen leckeren Kaffee oder Orangensaft oder ein großes lauwarmes Glas Wasser. Mir egal!
Peace out, Freunde.