Neuseeland – 360 Grad

Neuseeland ohne Jacke. Das sollte eigentlich die Überschrift für den letzten Eindruck aus Neuseeland sein, aber irgendwie wäre das zu fokussiert gewesen auf einen Part dieses wunderbaren Landes.

Freitag, 24.03.2017, in der Nähe von Christchurch

Gerade sitze ich auf einem Berg mit Blick auf den See Pukaki, nachdem wir heute drei Stunden durch das Naturschutzgebiet des Mount Cook spaziert sind. Nach der Hälfte des Weges eröffnete sich uns ein spektakulärer Blick auf kleine Eisberge inmitten des Sees, welcher an den Berg mit dazugehörigem Gletscher angrenzte. Wir haben festgestellt, dass wir bei solchen Naturschauspielen die unter der Kategorie “Winterspaß in Neuseeland“ immer passendes schlechtes Wetter haben. Also war heute Nebel und Nieselregen unser Begleiter…die Bilder jedoch,die wir sehen durften, ließen sich dadurch nicht trüben. Und passend zur „eigentlichen“ Überschrift: bei solchen Temperaturen und Wetter hat sich jeder von uns schon eine kuschelige Winterjacke gewünscht. Allerspätestens im Zelt bei 4 Grad Außentemperatur…

Schließlich heißt die Überschrift Neuseeland – 360 Grad und deswegen sitze ich im Trockenen auf dem besagten Berg und hatte gerade einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Erinnert ihr euch noch an meinen letzten Eintrag aus Neuseeland? Zu dem Zeitpunkt waren wir in dem wilden Actionort Queenstown und Sarah hatte sich an dem Tag getraut von einer Brücke zu springen. An unserem vorletzten Abend wurde nochmal ordentlich geschlemmt: Bratkartoffeln (!!!) mit einem Maiskolben und Erbsen. Ihr solltet wissen, dass wir uns seit knapp sieben Wochen von Nudeln mit Möhrchen, Tomaten und ab und zu Brokkoli in Tomatensoße ernähren.
Und wir vier haben schon entschieden, wenn wir mal Fernweh haben werden, wissen wir was auf den Tisch kommt. Natürlich Nudeln mit Möhrchen, Tomaten und Brokkoli.
Ihr merkt schon auf so Backpackertrips dreht sich ziemlich viel um das Essen oder speziell in Neuseeland welchen Berg man heute erklimmt hat.
Passend zum Thema: den einen Berg in Queenstown mit der Gondel sind wir auch hoch spaziert genauso wie den schönen KEY SUMMIT auf dem Weg nach Dunedin.

Aber bevor wir drei Stunden den KEY SUMMIT hoch gewandert sind, haben wir noch einige schöne Erlebnisse im wilden Süden, so beschreibt mein Reiseführer die Gegend, gesammelt. Wir verbrachten noch zwei weitere Tage in Queenstown und ich durfte mein Geburtstagsgeschenk einlösen, als wir am 12.03. in den größten Nationalpark Neuseelands fuhren. Das Fjordland wartete auf uns erkundet zu werden: Der einzige, der 14 Fjorden, den man über eine Straße erreichen kann ist der berühmte Milford Sound.
Wir buchten kurzfristig noch eine Bootstour um dem Wunderland der Natur gerecht zu werden. Am Montag, 13.03., ging es dann um 08:45 für zweieinhalb Stunden aufs Boot. Wir hatten das große Glück Delphine und Seerobben zu sehen! Das erste Mal im offenen Ozean ein Delphin zu sehen war schon etwas ganz besonderes. Und soll ich euch was verraten? Es war nicht nur einer! Eine Mama mit ihrem Kind begleiteten uns bis zur nächsten tierischen Überraschung. Eine große Gruppe von Seerobben lag am Rand der Felsklippen, als wir mit unserem Dampfer dadurch schipperten.

Am nächsten Tag ging es dann Richtung Dunedin und zum besagten KEY SUMMIT. Wir hatten die Tage im Fjordland leider grausam kaltes Wetter (jetzt weiß ich auch was es bedeutet wirklich zu frieren. Ekelhaft!) und deshalb freuten wir uns umso mehr als auf dem Weg nach oben die Sonne raus kroch und die Zehenspitzen mit jedem Schritt wieder wärmer wurden.
Wir schliefen in Lumsden, ein wirklich verlassender Ort der sich durch einen kostenlosen Campingplatz ein paar mehr Touristen erhoffte, erzählte uns ein einheimischer Opi mit seinem Hund an der Leine.
Lumsden befindet sich ungefähr auf der Hälfte der Strecke nach Dunedin und so erreichten wir am Mittwoch, 15.03., Max alte Gastfamilie.
Wir durften bei einer befreundeten Familie unterkommen was uns das Entdecken der Innenstadt um einiges erleichterte.
Wir begannen unsere Sightseeingtour an einem Aussichtspunkt, der uns einen imposanten Blick über die Stadt ermöglichte als es daraufhin zur steilsten Straße der Welt ging. Der Tacho war auf null, aber wie auch immer hat Ranjid, unser Auto, es geschafft den Berg hochzukommen.
Runter ging es dann umso schneller!
Ohne Motor- oder Bremsschäden wurde dann noch die Küstenstraße zur Albatroskollonie ausgekundschaftet, sowie Max alte Schule und Eishalle.
Am Freitag sammelten wir gemeinsam mit Max Gastvater Muscheln, die wir danach frisch verzehren durften und abends ging es zu meinem ersten Rugbyspiel. Der erhoffte HAKA-Tanz, der einheimischen Maoris, wurde leider nicht aufgeführt und die Atmosphäre im Signal-Iduna-Park in Dortmund ist was anderes….aber es war schon lustig die stämmigen Männer, von mir liebevoll Maschinen genannt, zu beobachten wie sie versuchten sich gegenseitig umzulegen.
Da Feiertag in Dunedin war, wurde nachdem Spiel auch nochmal das Tanzbein geschwungen. Der griechische Marktplatz in Athen ist in Dunedin das Octagon. Ein Achteck voller Cafés, Kneipen, Restaurants und Untergrund Discos. Obwohl ich bezweifle, dass es im alten Griechenland schon Diskotheken gab.

Das Wochenende verbrachten die Mädels alleine in den Catlins, da Max Zeit mit seiner Gastfamilie verbringen wollte. Wir drei waren wirklich nochmal überrascht von der Schönheit dieses Landes! Die Catlins befinden sich an der Südspitze von Neuseeland und die „scenic route“ ist ungefähr 100 Kilometer lang. Also auf kurzer Strecke durften wir wunderschöne Buchten erkunden, zum südlichsten Punkt Neuseelands laufen und nochmal Delphine und Seelöwen entdecken.

Die letzte Woche verbrachten wir in der Umgebung von Christchurch und in der Stadt selber. Und wir wurden zwischendurch begleitet von Emmy und Lasse, einer langjährigen Freundin von Sarah aus Hamburg. Die Nachfolgen des Erdbebens 2011 waren in Christchurch noch deutlich zu sehen. So zertrümmerte Häuser, alte Gebäude zu sehen und durch stockenden Verkehr zu fahren, weil die Infrastruktur noch nicht wieder ganz in Schwung ist nach sechs Jahren hat mich berührt. Unsere Welt, dieser machtvolle Planet! Der lacht wahrscheinlich über uns!
Aber das dunkle Bild, was ich von Christchurch gerade vermittelt habe möchte ich so nicht stehen lassen. In der Innenstadt gibt es die re:start mall, jegliche Geschäfte, die zerstört wurden, konnte man in hübsch ausgebauten Containern wiederfinden. Echt eine schöne, bunte und moderne Idee. Genauso wie vor der eingestürzten Kathedrale ein Haus aus voller Blumen hinzustellen. Gar nicht mehr so dunkel das Bild!

Und neben der ganzen Berichtserstattung hier: wir führen zwischenzeitlich wunderbare inspirierende Gespräche, denn es ist schon eine Herausforderung mehr als zwei Monate miteinander zu reisen und trotzdem noch Gesprächsbedarf zu haben. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass reisen an sich oft unterschätzt wird. Ja, ich erlebe mit Sicherheit fast jeden Tag Naturschauspiele, die ich in Deutschland nicht zu Gesicht bekommen würde oder sehe Tiere, die nur in bestimmten Regionen leben können aber es wird schnell vergessen, dass auch nicht immer die Sonne scheint und schlechte Laune genauso dazugehört wie gute.
Ich habe das Gefühl jeder von uns vier hat in den letzten Wochen aus dem Land und aus der Gruppenkonstellation was mitgenommen. Stellt euch vor 24 Stunden und sieben Tage die Woche zusammen zu hängen und nie so wirklich alleine zu sein und auch eine gewisse Verpflichtung und Abhängigkeit in der Luft hängt…Da ist Konfliktpotenzial ganz natürlich und vor allen Dingen gesund und wir scherzen mit Stolz: „im nächsten Vorstellungsgespräch: Sie wollen eine konflikt- und teamfähige Person? Hier bin ich!“

Und mit diesen bunten Haufen voller Eindrücke, Gefühle und Sehenswürdigkeiten ist der Koffer wieder gepackt und es geht nach Indonesien.
Bali, die Götterinsel, ruft!
Ich bin gespannt was mich erwartet und mit dieser Lebenslust und Freude werde ich jetzt gleich in den Flieger steigen.

Vielleicht lasse ich mal was von mir hören oder wir sehen uns in Deutschland wieder, ihr lieben Menschen da draußen!
Ich drücke euch ganz fest und ganz zum Schluss möchte ich noch was loswerden was mir bewusst geworden ist:

Die Headline meines Blogs heißt: „auf der Suche nach dem flow“ und wie lautet das Sprichwort: wer suchet, der findet. Ich glaube in meinem Fall trifft das nicht ganz zu, weil wer auf der Suche war oder ist und was gefunden hat, ist auch irgendwie am Ende angelangt, oder? Hat sein Ziel sozusagen erreicht. Aber was bedeutet das schon? Ich formuliere meinen flow, bewusst als flow. Für mich ist es etwas was fließt und sich immer verändern, beginnen und enden darf. Alle Möglichkeiten sind offen. Wir schränken uns oft viel zu sehr ein! Jeder sollte für sich jeden Tag neu entscheiden dürfen wer er sein will und was er will. Und das gilt nicht nur für die Menschen in meinem Alter!
Raus da, zeigt euch der Welt!

Veröffentlicht von joanaflorentinahoffmann

„auf der Suche nach dem flow“. Wer auf der Suche ist und was gefunden hat, ist am Ende angelangt, oder? Hat sein Ziel erreicht. Aber was bedeutet das? Ich benutze bewusst das Wort "flow" hinter meinem zweiten Vornamen. Ich verstehe die Suche nach dem flow, als etwas was fließt und sich immer verändern, beginnen und enden darf. Alle Möglichkeiten sind offen. Lasst uns gemeinsam auf der Suche sein. FEEL ME FLOW.

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