Ich möchte zu Beginn dieses Beitrags zwei Sachen klarstellen:
Zum einen: entschuldigt für meine lange Abwesenheit. Und zum anderen: ich habe viel zu erzählen!
17 bis 25 Dezember 2016 -Gold Coast -Surfers Paradise -Byon Bay
Die Uhr zeigt 7:02, als die Maschine aus Kuala Lumpur an der Gold Coast den Boden berührt. Kurz danach setzen zwei Mädchen, ziemlich zerknautscht und verschlafen, das erste Mal in ihrem Leben ihre Füße auf den roten Kontinent. BUMS, Sarah und Joana sind gelandet! Welcome Australia. Das Abenteuer Nummer zwei steht in den Startlöchern.
Nachdem wir uns den zweiten fetten Stempel für unseren Reisepass abholten, in unseren Rucksäcken keine Drogen gefunden wurden und wir auch keine Pest vorwiesen, wurden endlich die Türen in die Freiheit aufgemacht.
Es war geplant, dass Lucie – unsere weitere Reisebegleiterin – uns abholt und wir gemeinsam zu unserem ersten Hostel „Backpackers in Surfers Paradise“ fahren. Aber nein! Wir wurden von der gesamten Gruppe überrascht. Luis, Lucie und Max standen da. Ein Teil von der coolsten Gang Solingen war wieder vereint! Und nach sechs Wochen Liebesabstinenz war das eine gelungene Überraschung.
Da der Tag noch ganz frisch war, im Gegensatz zu uns, ging es das erste und bis jetzt auch das letzte Mal frühstücken. 13 Dollar für ein Avocado Toast. Respekt. Die Zeiten des Zwei-Euro-Abendessens waren also vorbei.
Aber einer meiner liebsten Unterschiede zu Thailand ist nicht die Währung, sondern Bob.
DER Van.
Unser Schlafplatz, unsere Küche, unsere Freiheit auf vier Rädern. Selbstbestimmtheit, Unabhängigkeit….verantwortlich dafür sein wo man hinfährt, was man erlebt und das Wissen zu haben jeden Augenblick abhauen zu können (auch wenn Abhauen bedeutet mit 70 km/h über den Highway). Wenn, das der Lifestyle ist von dem alle reden, dann ab nach Australien. Allerdings bin ich der Auffassung, dass du dieses Lebensgefühl überall erleben darfst wenn du genug Mut und Kreativität hast. Aber zum Glück darf auf dieser Welt jeder für sich selbst entscheiden.
Tag Nummer Eins war noch nicht vorbei – zurückblickend haben wir glaube ich in den letzten Tagen nicht so viel gemacht wie an diesem Tag – nach unserem Frühstück ging es zum Strand. Und was für einer!
Ein Reisetipp kommt jetzt doch von mir, auch wenn ich nicht als Reiseführer fungieren wollte: Wenn du gerne im stillen, ruhigen Badewannen-Wasser schwimmen gehst, reise nach Thailand wenn, dir große Wellen und eine Wassertemperatur von 21 Grad ausreicht dann empfehle ich Australien.
Nach einem kleinen Päuschen am Meer ging es für einen Spaziergang durch die Innenstadt. Der Name unseres Hostels war Programm. Surfers Paradise! Am ersten Tag schon alle Klischees bedient: braungebrannte, blonde Beachboys und -girls, die auf der einen Seite unterm Arm ihr Surfbrett und auf der anderen ihr Skateboard trugen, liefen zwischen uns hindurch und beeilten sich ins Wasser zu kommen.
Und auf was für Bürgersteigen, die waren ausgebaut und sahen so sauber aus, als ob man von ihnen essen könnte. Nach 10 Wochen herumschlängeln in Thailand waren diese Bürgersteige in dem Moment wahrer Luxus.
Zum Abendessen gönnten wir uns eine Pizza bei Domino’s, der Laden stellte sich im Nachhinein für die Pizzeria für Backpacker aus, die nicht viel Kohle haben.
Gesättigt, total übermüdet und nach einer Dusche ging der erste Tag dann doch irgendwann dem Ende nahe. Wir schliefen wie Babys in unseren Hochbetten im Zehner Dom.
Die Zeiten, des eigenen Zimmers mit Bad waren also auch zu Ende.
Ganz getreu des Mottos: Neuer Kontinent, neues Abenteuer!
Wir drei Mädels verbrachten bis zum 20.12. die Tage in unserem schönen Städtchen Surfers Paradise und ließen die Tage ganz entspannt angehen. Ausschlafen, Frühstück machen in der Hostelküche, bisschen bummeln, Leute gucken und ganz viel Meer.
Luis und Max waren zu dieser Zeit wwoofen auf der Farm von Sam und Anne im Hinterland von Byron Bay.
Der Plan war, dass ich mit Luis tausche und bis zum 23.12. seinen Job übernehme und für Essen und Unterbringung arbeite. Bei WWOOF – Willing Workers on Organic Farms – geht es nämlich genau darum. Du musst nichts für deine Verpflegung und dein Schlafplatz bezahlen, dafür hilfst du den Menschen auf der Farm aus. Und was waren dass für drei coole Tage, denn so einen tiefen Einblick in den australischen Alltag hätte ich nicht erwartet. Sehr empfehlenswert!
Heiligabend, 24.12.2016, Byron Bay
Max und ich wurden an dem Abend vor Weihnachten von unseren Mitreisenden abgeholt und ich verließ schweren Herzens meinen ersten WWOOF-STAY. Doch der Abschied war nur von Kürze, weil die beiden uns alle fünf zum Weihnachtslunch einluden. Sam und Anne sind so liebenswürdige und interessante Menschen, die hätte ich am liebsten in Miniaturausgabe mit in meinen Rucksack gestopft und bei schlechter Laune ausgepackt.
Aber mein erster Campingplatz wartete auf mich! Und ein nasses Einmannzelt wollte von mir aufgebaut werden! Hallo Wildnis, Hallo Weihnachtsmann.
Weihnachtsstimmung? Gab es 2016 nicht! Traurig darüber? Auch nicht. Schließlich war ich am Meer und durfte mich Ende Dezember in die Wellen stürzen. Das war mein Weihnachtsgeschenk!
25 Dezember 2016 bis zum 5 Januar 2017
-Ballina -Nimbin -Yamba -Coffsharbour -South West Rocks -Port Macquarie -Nationalpark -Newcastle -Berowra -Sydney
Am ersten Weihnachtstag begann unsere Weiterreise Richtung Sydney. Am 29.12. sollten wir bei Helene in der Vorstadt Berowra ankommen. Unser zweiter WWOOF-STAY! Hier wollten wir über Silvester unsere Zeit verbringen. Bis dahin wurde das nun trockene Einmannzelt überall aufgestellt unabhängig von Untergrund und Wetterbedingungen. Rasen, Sand und Asphalt. Sonnenschein, Nieselregen und Wind. Ab jetzt kann ich Werbung machen für Globetrotter oder sonst irgendeinen Campingausstatter!
Nimbin war das Drogenstädtchen. Port Macquarie überzeugte mit seinem wunderschönen Strand. In dem Nationalpark, wo der Name mir nicht mehr einfällt, erlebten wir das erste Mal am eigenem Leib was wirklicher Durst bedeutet. Ohne Trinkwasser und nicht genug Reserve wird es irgendwann kritisch. Aus Fehlern lernt man: der 15 Liter Kanister hinten im Kofferraum wird ab jetzt immer aufgefüllt. South West Rocks war ein richtiges Urlaubsstädtchen. Kleine Läden, Sonnenschein und schöne Musik.
Als der große Tag der Ankunft dann da war und wir am 29.12. durch die Straßen von Berowra fuhren und mir jemand gesagt hätte du fährst jetzt gerade durch die Beverly Hills, ich hätte es ihm abgekauft. Dicke fette Häuser, riesige Vorgärten, teure Autos reihten sich aneinander: unsere Fantasie wurde angeregt!
Wir malten uns auf den letzten 300 Metern jegliche Luxusszenarien aus. Von Swimmingpool bis Kingsizebed war alles dabei. Doch vor dem Haus dämmerte es mir: „Oder das ist jetzt so eine totale Messiebude.“
Wir kämpften uns durch den Flur und in der total überfüllten und stinkenden Küche blickten uns zwei hilflos aussehende Gesichter entgegen. Mathis und Aliena aus dem Westerwald! Bis zum heutigen Zeitpunkt unsere Reisebegleiter. Eigentlich schon mehr Freunde.
Wir wussten alle bei so einem Chaos wollen wir nicht schlafen und deswegen wurden innerhalb von zwei Stunden Bad und unsere Schlafplätze freigeräumt und gereinigt. Wir verbrachten gemeinsam eine ganze Woche bei Helene danach reichte es uns mit Unordnung und Putzen.
Neujahr, 31.12.2016, Sydney
Unser Zug fuhr um 06:53 ab Richtung SYDNEY-CITY. Da jedes Jahr ein riesiger Massenansturm von Menschen erwartet wird, wollten wir pünktlich am Eingang des botanischen Garten sein um einen guten Blick auf das Opernhaus und deren Umgebung zu haben.Der Neujahrsmorgen begann also unausgeschlafen und bei Nieselregen. Aber bei 16 Stunden Wartezeit für ein 13 minütiges Feuerwerk hat ein Mittagsschlaf, neben 37 Runden UNO und 168 Runden Quadrato, nicht gefehlt.
Zurückblickend war das Feuerwerk und der damit verbundene Start ins neue Jahr „nur“ der krönende Abschluss von einem Tag, der sich wie ein riesiges spontanes Festival anfühlte.
Dieses Silvester werde ich so schnell nicht vergessen!
Vorsätze für das Jahr 2017?
Nö, hab ich nicht. Auch nicht auf Weltreise! Ich stelle fest, egal wo ich mich auf diesem Planeten befinde, ich für mich ganz allein verantwortlich bin und das als totale Freiheit empfinde.
In diesem Sinne: Sorgt für euch, denn wenn es euch gut geht, könnt ihr eure Mitmenschen mit eurer Energie anstecken. Und was hat Sam immer gesagt: „You have to be good.“
In diesem Sinne, Fortsetzung folgt.
Eure Joana